Zur feierlichen Eröffnung der Bahnstrecke von Wriezen nach Jädickendorf am 20.12.1892. Verfasser unbekannt.

Melodie:“ Ich weiß nicht was soll es bedeuten!“

 

 

Nun hört ihr das Dampfroß schnauben,

ihr Lieben im Oderbruch.

Ihr wolltet so lang nicht dran glauben,

nun aber nun seid ihr doch klug.

Nicht Wasser nicht Eis kann uns hindern,

nicht Moore voll Sumpf oder Torf.

Wir dampfen mit Weib und mit Kindern

von Wriezen nach Jädickendorf.

 

 

So mancher hat ungeduldig

sich nach der Eröffnung gesehnt,

es sei ihnen allen gehuldigt

die Gemüht sich ein halbes Jahrzehnt.

Da wurde geschrieben, gemessen,

gezeichnet bald rot und bald blau,

das Kleinste ward selbst nicht vergessen,

ein Hoch drum den Herren vom Bau.

 

 

Zwar hat es wohl lange gedauert,

doch schaden oft Eile und Hast.

Es wurde mit Vorsicht gemauert

beim Brückenbau wie es sich passt.

Wenn Friedrich der Große erstände,

er würde freudigen Sinns

heut schauen vom Odergelände

die Brücke in seiner Provinz.

 

 

Von Wriezen der Metropole,

der Hauptstadt des Oderbruchs

geht`s nun mit der Heizkraft der Kohle

zur Neumark eiligen Flugs.

Doch erst noch geht`s leise und sachte,

Altmädewitz zeigt sich dem Blick,

wo einst vor Jahren verkrachte

die schönste Zuckerfabrik.

 

 

Dann fahren wir weiter gemütlich

zur Station Altreetz.

Das Dörfchen liegt freilich noch südlich,

recht schade, doch leider so geht`s.

Nach mehrfachem Bimmeln und Läuten

nah`n wir uns der Fasanerie,

sie wird noch, wer will es bestreiten,

einst feiern Kolonie.

 

 

 

So hat uns der feurige Rappe

allmählich zur Oder geführt.

Zur Oder, in welcher die Quappe

tief unten als Nixe regiert.

Umwoben von mancherlei Sagen

schaut nieder der Toppenberg.

Hört ihr die Prinzessin dort klagen,

verwunschen vom bösen Zwerg.

 

 

Nun werden wir selber befahren

die Brücke mit rechtem bedacht.

Anstaunen wird man noch nach Jahren

die architektonische Pracht.

Wir kommen mit frohem Gefühle

nach Rüdnitz und Zäckerick,

begrüßen die Eichhorner Mühle

und wünschen dem Müller viel Glück.

 

 

Bei Klemzow und Groß – Wubiser,

bei Butterfelde – Mohrin,

ist unser Wunsch nur noch dieser,

nach Jädickendorf schnell hin!

Es rasselt an seiner Kette

der Krebs im Mohriner See,

wenn er einen Fahrschein hätte,

er stiege in`s Bahncoupee.

 

 

Ja Freiheit und Fortschritt verkündet

mit Macht das beflügelte Rad,

das ringsum die Herzen entzündet

zur frischen, lebendigen Tat.

Wir bringen mit Freude entgegen

der neuen Bahn den Spruch.

Sie werde ein rechter Segen

für Neumark und Oderbruch.